Lithium-Ionen-Akkus sicher lagern und laden: Der Schrank-Ratgeber
Lithium-Ionen-Akkus sicher lagern und laden: Der Schrank-Ratgeber
Lithium-Ionen-Akkus stecken heute in Werkzeugen, Flurförderzeugen, E-Bikes und Energiespeichern – und genau diese Energiedichte macht sie im Brandfall gefährlich. Dieser Leitfaden erklärt welche Vorschriften gelten, worin sich Lade- und Lagerschränke unterscheiden und wie Sie in vier Schritten den passenden Akku-Schrank auswählen. Als Spezialist für Gefahrstofflagerung beliefert ADESATOS Industrie, Labor und Handwerk im DACH-Raum mit geprüften Batterie-Sicherheitsschränken.

Warum Lithium-Ionen-Akkus eine eigene Gefahrenklasse sind
Wird eine Lithium-Ionen-Zelle beschädigt, überladen oder zu heiß, kann ein thermisches Durchgehen (Thermal Runaway) einsetzen: Eine Zelle heizt die nächste auf, der Akku gerät in eine sich selbst verstärkende Kettenreaktion mit Temperaturen über 800 °C, gibt brennbare und giftige Gase ab und lässt sich mit Wasser kaum löschen. Ein einzelner defekter Akku kann so ein ganzes Lager oder eine Werkstatt in Brand setzen. Deshalb ist die räumliche Trennung in einem feuerwiderstandsfähigen Schrank die wirksamste Einzelmaßnahme zur Risikominderung.
Welche Vorschriften gelten für die Lagerung von Lithium-Akkus?
Wichtig vorab: Lithium-Ionen-Akkus gelten rechtlich nicht als Gefahrstoffe. Es gibt also kein einzelnes Gesetz, das die Lagerung direkt regelt. Maßgeblich sind stattdessen ein Bündel aus Versicherer-Vorgaben, Regelwerken und der Gefährdungsbeurteilung des Betreibers:
| Regelwerk | Herausgeber | Bedeutung für die Lagerung |
|---|---|---|
| VdS 3103 „Lithium-Batterien" | Versicherer (VdS) | Wichtigste Praxis-Richtlinie. Unterscheidet Akkus nach geringer / mittlerer / hoher Leistung und leitet daraus Schutzmaßnahmen ab. Versicherer orientieren sich daran. |
| TRGS 510 | BAuA | Auch wenn Akkus keine Gefahrstoffe sind: Die Lagerstätte wird sinnvollerweise wie ein Gefahrstofflager ausgelegt (F90, Zutrittsbeschränkung, Entlüftung, Zusammenlagerungsverbote). Ein Typ-90-Schrank gilt als eigener Lagerabschnitt. |
| DGUV Information 205-041 | DGUV | „Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien" – Maßnahmen für Betriebe. |
| DIN EN 14470-1 / DIN EN 1363-1 | Normung | Prüfgrundlage für die Feuerwiderstandsfähigkeit von Sicherheitsschränken (Typ 30/60/90). |
Praxis-Hinweis: Die konkrete Maßnahmenstufe richtet sich nach Menge und Leistung der gelagerten Akkus sowie nach den Auflagen Ihres Sachversicherers. Im Zweifel die aktuelle VdS 3103 und den Versicherer heranziehen – das vermeidet teure Nachrüstungen und Deckungslücken.
Typ 90: Was die Feuerwiderstandsklasse bedeutet
Sicherheitsschränke werden nach DIN EN 14470-1 in Feuerwiderstandsklassen Typ 30, 60 und 90 eingeteilt – die Zahl steht für die Minuten Feuerwiderstand. Für Lithium-Akkus ist Typ 90 der Standard, weil er in beide Richtungen schützt:
- Von außen nach innen: Bei einem Brand im Raum bleiben die Akkus mindestens 90 Minuten geschützt – Zeit für die Feuerwehr.
- Von innen nach außen: Brennt ein Akku im Schrank, hält der Schrank das Feuer mindestens 90 Minuten zurück und schützt die Umgebung.
Sicherheitsrelevante Bauteile wie Türschließmechanismus und Brandschutzklappen müssen auch ohne menschliches Eingreifen zuverlässig auslösen.
Laden oder nur Lagern? Der entscheidende Unterschied
Das ist die häufigste – und folgenreichste – Frage bei der Auswahl:
- Lagerschrank / Akku-Sicherheitsschrank: Fokus auf der sicheren Aufbewahrung. Robuster Aufbau, maximaler Brandschutz, keine Stromzufuhr im Schrank.
- Akku-Ladeschrank: ermöglicht das kontrollierte Laden im Schrank – mit Steckdosenleisten, Belüftung und oft Temperatur-/Rauchüberwachung.
Beim Laden entsteht Wärme, und die meisten Akkubrände passieren während oder kurz nach dem Ladevorgang. Wer im Schrank lädt, braucht daher zwingend ein Modell mit aktiver Belüftung, Überwachung und Notabschaltung – ein reiner Lagerschrank ist dafür nicht ausgelegt. Faustregel: Laden und Lagern möglichst trennen; wo im Schrank geladen wird, nur in dafür zertifizierten Lade-Sicherheitsschränken.
Akku-Schrank auswählen in 4 Schritten
- Menge & Leistung bestimmen. Wie viele Akkus, welche Energie (Wh/kWh)? Danach richtet sich die VdS-3103-Kategorie (gering/mittel/hoch) und die nötige Schutzstufe.
- Laden oder Lagern festlegen. Reine Lagerung → Lager-Sicherheitsschrank. Laden im Schrank → zertifizierter Ladeschrank mit Belüftung & Überwachung.
- Brandschutzklasse wählen. Für Lithium-Akkus i. d. R. Typ 90 (DIN EN 14470-1), beidseitiger Feuerwiderstand.
- Raumsituation & Ausstattung prüfen. Stellfläche, Abluftanschluss vs. Umluftfilter, geforderter Luftwechsel, Türtyp (Flügel/Schub), Brandfrüherkennung, Löschsystem-Option.
Schrank für kleine Betriebsräume vs. großes Lager
- Kleine Werkstatt / Betriebsraum: Kompakter Typ-90-Halbhoher-Batterielagerschrank für wenige Akkus, möglichst mit Umluftfilter (kein baulicher Abluftanschluss nötig). Ziel: höchste Sicherheit auf kleiner Fläche.
- Lager / Produktion mit vielen Akkus: Größere Sicherheits- oder Ladeschränke, ggf. mit fester Abluft, Brandfrüherkennung und Löschanlage; bei großen Mengen ggf. separater Lagerraum statt Schrank.
FAQ – Häufige Fragen zur Akku-Lagerung
Welcher Akku-Schrank passt für kleine Betriebsräume und bietet höchste Sicherheit?
Ein kompakter Typ-90-Sicherheitsschrank (DIN EN 14470-1) mit Umluftfilter ist hier ideal: 90 Minuten beidseitiger Feuerwiderstand auf kleiner Stellfläche, ohne dass ein baulicher Abluftkanal nötig ist. Für kleine Mengen reicht ein Unterbau- oder Kompaktschrank.
Sicherheitsschränke für Lithium-Ionen-Akkus – worauf muss ich achten?
Auf vier Dinge: Feuerwiderstand Typ 90 (innen↔außen), Belüftung/Luftwechsel, selbsttätig auslösende Sicherheitsbauteile (Türschließung, Brandschutzklappen) und – falls geladen wird – Lade-Eignung mit Überwachung. Orientierung geben VdS 3103 und TRGS 510.
Brauche ich einen Schrank zum Laden oder nur zum Lagern?
Das hängt vom Arbeitsablauf ab. Wird im Schrank geladen, brauchen Sie einen zertifizierten Akku-Ladeschrank mit Belüftung, Überwachung und Notabschaltung. Für reine Aufbewahrung genügt ein Lager-Sicherheitsschrank. Laden und Lagern sollten möglichst getrennt werden, da die meisten Akkubrände beim Laden entstehen.
Welche Norm gilt für Lithium-Akku-Schränke?
Die Feuerwiderstandsfähigkeit wird nach DIN EN 14470-1 (i. V. m. DIN EN 1363-1) geprüft – für Akkus üblicherweise Typ 90. Für Lagerung und Organisation gelten zusätzlich die Versicherer-Richtlinie VdS 3103 und sinngemäß die TRGS 510.
Welchen Luftwechsel sollte ein Akku-Sicherheitsschrank haben?
Ein technisch belüfteter Sicherheitsschrank wird an die Abluft angeschlossen oder arbeitet mit Umluftfilter; maßgeblich ist ein ausreichender, herstellerseitig spezifizierter Luftwechsel, der entstehende Gase sicher abführt. Der konkrete Wert ergibt sich aus Schranktyp und Herstellerangabe – im Datenblatt prüfen.