Gefahrstofflagerung richtig planen – was zählt wirklich?
Gefahrstofflagerung ist kein „Einheitsprodukt“: Entscheidend sind Stoffeigenschaften (z. B. entzündbar, brandfördernd, toxisch, wassergefährdend), Lagermenge und der Ort (Arbeitsraum, Lagerraum, Außenbereich). Daraus leiten sich die notwendigen Schutzmaßnahmen ab – von der Auffangkapazität bis zum Brandschutzkonzept.
Rechts- und Regelwerksrahmen
- TRGS 510 konkretisiert Anforderungen an die Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern (u. a. Mengen, Maßnahmen, Zusammenlagerung).
- TRGS 400 beschreibt die Vorgehensweise der Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen (Basis für Ihre Entscheidung „Regal vs. Schrank vs. Container“).
- WHG/AwSV: Bei wassergefährdenden Stoffen ist Rückhaltung/Leckageschutz zentral (Auffangwannen, Auffangräume, WHG-Container).
Auswahlhilfe: Welche Lösung passt zu Ihrem Anwendungsfall?
1) Auffangwannen: Leckageschutz für Gebinde, Fässer und IBC
Auffangwannen sind die erste Schutzstufe gegen Leckagen – typischerweise unter Lagerregalen, Abfüllplätzen oder IBC-Stellflächen. In der Praxis entscheiden zwei Punkte:
- Materialverträglichkeit: PE für viele aggressive Medien (z. B. Säuren/Laugen), Stahl für viele Öle/Kraftstoffe/Lacke (je nach Medium).
- Verwendbarkeitsnachweis: Für Stahl-Auffangwannen kann bis 1.000 Liter die StawaR als anerkannte Regel herangezogen werden; für Auffangvorrichtungen aus Thermoplast (z. B. PE) ist typischerweise ein bauaufsichtlicher Verwendbarkeitsnachweis (abZ/aBG) über das DIBt relevant.
2) Gefahrstoffschränke / Sicherheitsschränke (z. B. firecabTyp 90)
Wenn entzündbare Flüssigkeiten am Arbeitsplatz oder im Arbeitsraum gelagert werden, ist häufig ein feuerwiderstandsfähiger Sicherheitsschrank erforderlich. Achten Sie dabei auf die jeweilige Norm-/Prüfangabe im Produkt – z. B. EN 14470-1 (Typ 90) – und auf das Nutzungskonzept (Lüftung/Abluft, Zugangsschutz, Organisation im Schrank).
3) Lithium-Ionen-Schränke: Akkus sicher lagern (und ggf. laden)
Lithium-Ionen-Batterien erfordern zusätzliche Betrachtung (z. B. Brandverhalten, Thermal Runaway, organisatorische Maßnahmen). Entscheidend ist, ob nur gelagert oder auch geladen wird, welche Akku-Mengen anfallen und welche Schutzfunktionen (z. B. Monitoring/Alarmierung) gefordert sind.
4) Gefahrstoffcontainer / Brandschutzlager (F90) – für größere Mengen & Außenaufstellung
Für größere Lagermengen oder wenn der Aufstellort außerhalb des Gebäudes liegen soll, sind Gefahrstoffcontainer/Brandschutzlager eine sehr gängige Lösung. Je nach Ausführung sind Varianten für WHG/AwSV-Anforderungen, technische Entlüftung, Heizung, Beleuchtung (optional auch Ex-Ausführung) und definierte Zugänge möglich.
5) Gefahrstoffregale & Depots
Regale und Depots sind sinnvoll, wenn die Gefährdungsbeurteilung dies zulässt und keine feuerwiderstandsfähige Einhausung erforderlich ist – z. B. für bestimmte nicht brennbare Medien oder definierte Mengen/Standorte. Wichtig bleibt: Leckageschutz (Auffangwanne), Kennzeichnung, Zugriff und Ordnung im Lager.
Zusammenlagerung verstehen: LGK, Trennung, Lagerabschnitt
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das „Zusammenwürfeln“ inkompatibler Stoffe. Die TRGS 510 arbeitet hier mit Lagerklassen (LGK) und Regeln zur Zusammenlagerung. Wenn Sie systematisch vorgehen, vermeiden Sie Verbote und reduzieren Risiko (Brand, Reaktion, Gasentwicklung) erheblich.
- LGK aus Sicherheitsdatenblatt entnehmen
- Zusammenlagerung prüfen (Tabelle/Regeln)
- Trennung/Abschnitt/Schranktyp ableiten und dokumentieren
Produkte aus unserem Sortiment
- firecab Gefahrstoffschrank, Typ 90, EN 14470-1 (1200 mm) – 90 Minuten Feuerwiderstand, DN100-Abluftflansch.
- firecab Gefahrstoffschrank, Typ 90, EN 14470-1 (900 mm) – Typ-90-Schrankdaten im Produkt hinterlegt.
- Begehbare Gefahrstoffcontainer (WHG) – als Lager, Umfüll- oder Abfüllplatz mit Zubehöroptionen (z. B. Entlüftung/Heizung/Beleuchtung).
- Prüfung & Wartung – wiederkehrende sicherheitstechnische Überprüfung inkl. Dokumentation.
- Quick-Check: Regal oder Sicherheitsschrank? – Entscheidung strukturiert dokumentieren.
Was Kunden in der Praxis oft übersehen (und wie Sie es richtig machen)
Auffangvolumen & Nachweise
Bei wassergefährdenden Stoffen ist nicht nur das „Ob“, sondern auch das „Wie“ entscheidend: Rückhaltevolumen, Material, Aufstellung und der passende Verwendbarkeitsnachweis müssen zusammenpassen – insbesondere bei Kunststoff-Auffangvorrichtungen (PE) oder größeren Auffangvolumina.
Betrieb & Betreiberpflichten: Prüfung, Wartung, Dokumentation
Auch die beste Lagerlösung verliert an Schutzwirkung, wenn Türen, Dichtungen, Schließfolgen, Abluftanschlüsse oder Auffangräume nicht regelmäßig geprüft werden. Planen Sie wiederkehrende Prüfungen als festen Prozess ein – so bleiben Sie auditfest und vermeiden Ausfälle.
Beratung: schneller zur passenden Lösung
Wenn Sie uns Stoffliste, Mengen, Lagerort (innen/außen) und Anforderungen (z. B. WHG, F90, ExZonen) nennen, schlagen wir Ihnen passende Produktgruppen vor – inkl. Zubehör (Entlüftung, Auffahrrampen, Regale, Abfülltechnik) und Servicepaket.
Weiterführende Kategorien & Planungshilfen
- Auffangwannen für IBC, Fässer & Kleingebinde
- Gefahrstoffschränke / Sicherheitsschränke (z. B. Typ 90)
- Gefahrstoffcontainer (auch WHG/AwSV-konfigurierbar)
- Brandschutzlager (F90) – begehbare Lagerlösungen
- Gefahrstoffregale mit Rückhaltung
- Gefahrstoffdepots – Einhausungen für Gebinde & IBC
- Fachinformationen & Auswahlhilfen
- Prüfung & Wartung (Betreiberpflichten)
- Beratung anfragen – Stoffliste + Mengen + Lagerort senden